Mr. Red Shoes

Wie Klassik zum Rock'n'Roll kam...!

Wenn ihm seine Mutter nicht erlaubt hätte, während seiner Übungsstunden am Flügel ihre spontanen Musikwünsche an ihn zu richten, wäre musikalisch sicher alles anders verlaufen.

Von Anfang an gestaltete er seine täglichen Fingerübungen interessant und inspirierend. Entweder improvisierte er über seine eigenen Themen oder fantasierte im jazzigen Stil eines Oscar Peterson. Erholt und erfrischt kehrte er „vom Ausflug“ zurück zur Klassik.

Am Instrument stets konzentriert sitzend, lief der geliebte Fernseher in einer ausreichenden Entfernung und Claus trotzte erfolgreich der Langeweile über gewisse Übungen am Klavier. Den Fernseher lautlos gestellt, verfolgte er die laufenden Bilder von Natur beschreibenden Dokumentationen. Pianisten in Stummfilmkinos gab es schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Eine in den 70er Jahren veröffentlichte mehrteilige TV-Dokumentation der internationalen Blues-, Jazz-, Rock-, Pop – Geschichte, sendete den Rock' n ' Roll ins heimatliche Musikzimmer. Das „Salz in der Suppe“ war der Beitrag, aus dem Claus bis heute seine Inspiration zieht: EIN MANN STAND AUF DEM KLAVIER und traktierte es mit FÄUSTEN und FÜSSEN! So selbstverständlich und cool – so etwas hatte er noch nicht gesehen.

WER WAR DENN DER PIANIST BLOSS?

Was für eine Herausforderung an den Geschmack – eine Revolution für Claus. Konnte er sich doch bis dahin nur die Hände auf der Tastatur vorstellen, musste er sich im gleichen Moment eingestehen, dass es reizvoll wäre, ebenfalls auf diese Art die Klaviatur zu erklimmen. Im Gespräch unter Kollegen und Freunden erkannte er schnell, dass dieser stilisierende Musiker JERRY LEE LEWIS sein musste.

Na dann los und seine Platten kaufen!

Claus war seine Musik und jene von Elvis Presley vertraut. Stets kam seine Mutter zwischendurch in sein Übungszimmer, wenn sie die Klänge ihres Sohnes hörte. „Chantilly Lace“ von Jerry Lee Lewis stand stets oben auf ihrer Wunschliste. Danach fegte sie mit noch mehr Elan erfrischt durch das Wohnzimmer. Claus swingte und rockte das Wohnzimmer. Chopin & Co. ließ nicht mehr lange auf sich warten. Bis heute ist kein Komponist der Klassik vor improvisatorischen Angriffen verschont geblieben.